Stoppt die Schwarzblaue Regierung!* Chronologie des Widerstands in Graz / 2000

 





Bilder von Aktionen im Frühjahr und Sommer
gibts hier: Pictures of resistance

 

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Widerstand in Graz -->> 2006 /2005 /2004 /2003 /2002 /2001
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Am Dienstag dem 5. Dezember fand Checkpoint Austria auch in Graz statt. Ihr möglichstes getan hatten die Grazer Behörden im Vorfeld, um Checkpoint Austria - die bundesweite Straßenblockade gegen den Budgetbeschluß - in Graz nicht stattfinden zu lassen. Die meisten Kundgebungsorte, nämlich ingesamt 8 von 10, wurden in den letzten Tagen vor der Aktion verboten, z.T. mit Begründungen wie, dass schließlich "auch nicht ortskundige Pendler orientierungslos verkehrflusshemmend wirken" würden (zit. aus einem Gutachten der BPD Graz).
Trotz Untersagungen und den Einschüchterungen im Vorfeld versammelten sich über 100 Leute um 6 Uhr früh am Europaplatz, um mit ihrem Protest gegen den Sozial-und Bildungsabbau auf die Straße zu gehen, oder besser: auf die Kreuzung. Ihnen stand ein Aufgebot von mindestens 100-150 Einsatzpolizisten gegenüber, die den Zug sofort umgaben. Als sich die DemonstrantInnen am Eggenberger Gürtel niedersetzten, stürzten die Polizisten sich ohne eine einzige Vorwarnung auf die Leute und zerrten sie innerhalb kürzester Zeit von der Kreuzung, z.t. wurden sie dabei an den Haaren und am Hals von der Straße gezogen! Erst jetzt erklärte die Polizei über Lautsprecher die Versammlung für aufgelöst und kesselte die Demonstration vollständig ein. Nach einem weiteren Versuch, einen Fahrstreifen zu blockieren, kam von der Einssatzleitung die Anweisung: "Die Rädelsführer festnehmen!" samt den entsprechenden Namen von AktivistInnen.
Mitten in diesen Amtshandlungen gelang es zum Glück dem LKW von Checkpoint Graz, mit Musik und einer lautstarken Begrüßung auf die Kreuzung zu fahren und für kurzfristige Verwirrung unter der Polizei zu sorgen. Die zweite angeordnete Verhaftung von "Rädelsführern" wurde buchstäblich auf halber Strecke abgebrochen, da die Polizei nun vollauf mit dem Lastwagen beschäftigt war. Der Einsatzleiter nahm dem Fahrer Schlüssel und Papiere ab und kündigte ihm eine Anzeige an. Staatspolizisten stürmten auf die Ladefläche und drehten den Strom ab. Daraufhin rief ein Aktivist, der schützend vor der Musikanlage stand, von der Ladefläche: "Dieser Staatspolizist hat mir soeben gedroht daß, wenn er mich alleine trifft, dann...Kopfschuß!". Gewaltsam drängte und stieß die Polizei die wenigen DemonstrantInnen, denen es gelungen war, den Kessel zu verlassen und sich vor den LKW zu stellen, wieder hinter die Absperrung, ein Beamter zerrte dabei versehentlich sogar einen Kollegen in Zivil ziemlich grob vom Wagen, der sich erst mit einem verzweifelten "Ich bin ja ein Kollege!" legitimieren konnte.
Der Einsatzleiter sprach laufend Anzeigen und Festnahmen aus, wobei unklar blieb, weshalb und gegen wen genau, mit mehreren Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz und der Straßenverkehrsordnung müssen die AkivistInnen jedenfalls zu rechnen. Es kam wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen seitens seiner Beamten, bis die den LKW schließlich aus dem Kreuzungsbereich geschoben hatten.
Die Demonstration zog am Gürtel entlang weiter, von einem dichten Polizeikordon auf dem Gehsteig zusammengedrängt, der den Verkehr nachhaltig "hemmend" beeinflußte. Während dieses Zugs hielten die Polizisten immer wieder grundlos Leute an und sprachen Anzeigen aus, weil sie versehentlich auf die Straße getreten waren. Nach dem genehmigten Checkpoint in der Lazarettgasse/ Elisabethinergasse verhinderte das massive Polizeiaufgebot eine Spontandemo auf der ohnehin abgesperrten Rösslmühlgasse, nicht verhindern konnte es aber eine Sitzblockade am Griesplatz. Die Durchsagen der Polizei gingen zunächst im Lied der DemonstrantInnen unter, erst als nach einiger Zeit eine Sondereinheit mit Schlagstöcken auf die Gruppe zumarschierte, wurde die Blockade abgebrochen. Trotzdem zeigte die Polizei wieder mal zwei Leute an Ort und Stelle an, alle anderen TeilnehmerInnen werde man später anhand des Filmmaterials identifizieren und anzeigen, so die leitenden Beamten.
Beim nächsten genehmigten Checkpoint am Radetzkyspitz mussten die DemonstrantInnen die Kreuzung selbst absperren, nachdem die Polizei unverdrossen Autos und Busse durchwinkte, wobei es zu extrem gefährlichen Situationen kam. Die Beamten zerstörten sogar Absperrungen, die die AktivistInnen zu ihrer eigenen Sicherheit errichtet hatten. Dafür waren sie umso schneller und durchsetzungsfreudiger, als sie eine weitere Sitzblockade am Andreas-Hofer-Platz auflösten. Zum Abschluß in der Herrengasse hatte die Polizei sogar Tretgitter aufgestellt, um die Innenstadt vor der Demonstration abzuschirmen. [Fotobericht]

Am Mittwoch dem 8. November sammelten sich gegen 17 Uhr an die 50 StudentInnen vor dem KF-Uni-Hauptgebäude. Mit Fakeln und Musik wurde HöhrerInnen einer Lehrveranstaltung + Professor, im Hörsaal der Vorklinik, ein Kurzbesuch abgestattet. Die Studierenden wurden aufgefordert sich dem Demozug anzuschließen. Dann zogen die DemonstrantInnen in Form einer Menschenkette über die Heinrichstraße zum Geidorfplatz, über den Geidorfgürtel, die Leonhardstrasse und dann zurück über die Merangasse bis vor die Mensa. Dort wurde die Demo offiziell beendet. Auf Grund verlorengegangener Kontaktlinsen und deren Suche, an der sich ein Großteil der anwesenden Studierenden solidarisch beteiligte, kam es auf den Zebrastreifen, um den dortigen Kreisverkehr, zu kurzfristigen Verkehrsstauungen.
Während der Demo wurden auch Info-Flugblätter zur Aktion-checkpoint für den 5.12.2000 verteilt.

Am Dienstag dem 31. Oktober veranstalteten Studierende der KF-Uni Graz ein Straßenfest gegen Studiengebühren am Tummelplatz. Ca. 100 Personen nahmen daran teil und konnten eine Feuershow, eine TrommlerInnengruppe, Musik und eine Lesung genießen. An PassantInnen wurden Flugzettel mit Informationen zu den geplanten Studiengebühren verteilt.

Am Samstag dem 28. Oktober fand in Klagenfurt eine von der Plattform "Offenes Kärnten" organisierte internationale Demonstration gegen die Schwarzblaue Regierung, Rechtsextremismus und Sozialabbau statt. An die 1500 Personen nahmen daran teil, darunter auch ca. 30 AntifaschistInnen aus Graz. [Shots]

Am Mittwoch dem 25. Oktober gab es wieder ein Aufleben der Studierenden-Mittwochdemos. Diesmal war aber nur ein "Spaziergang" zu einer Kundgebung des "Steirischen Komitees zur Sicherung der Qualität an höheren Schulen" mittels Flyer angekündigt worden.
Um 11.30 Uhr spazierten ca. 50 Leute vom Hauptgebäude weg, wobei immer am Gehsteig gegangen wurde (der Spaziergang war nicht angemeldet worden) um der Polizei keine Grund zu Eingreifen zu liefern. Den fand sie dann allerdings bei einer Wiederholung der "Zerbra crossing-Aktion" am Kaiser-Franz-Joseph Platz: weil Leute über ein Megaphon Durchsagen machten, verkündete die Staatspolizei, dass es eine Anzeige wegen "illegaler Versammlung" geben wird. Doch damit der Polizeiwillkür nicht genug: Insgesamt wurden drei Billa-Einkaufswagerl, gefüllt mit Getränken und Süßigkeiten, mitgeschoben - ein Grund für die Polizei die Personalien der "Schiebenden" aufzunehmen und ihnen eine Anzeige wegen "geringfügigem Diebstahl" - eben jener Einkaufswagerl - anzukündigen! Dass sich in den Schlitzen der Wagerl jeweils eine Fünf-Schilling Münze befand, es also völlig legal war die Wagerl aus dem Geschäft mitzunehmen, interessierte die Beamten der Staatspolizei nicht weiter! [Shots]

Am Südtirolerplatz, vor dem ÖGB, traf die Gruppe dann um ca. 13.00 Uhr ein und wurde von den dort anwesenden LehrerInnen begrüßt. So an die 150 Personen hatten sich dort eingefunden um unter anderem die Umsetzung der Streikbeschlüsse vom 26. September einzufordern. Es gab Redebeiträge - auch von Seiten der Studierenden. Gleichzeitg mit der Kundgebung - zu der nur LehrerInnen kamen die unterrichtsfrei hatten - organisierten diejenigen, die Unterricht hatten Dienststellenversammlungen an ihren Schulen. [Shots]

Am Dienstag dem 24. Oktober veranstalteten die Hörsaalgruppe einen Infostand vor dem Landhaus in der Herrengasse. Ziel war es die Leute über die Konsequenzen der geplanten Einführung von Studiengeühren zu informieren.

Am Wahltag, am Sonntag dem 15. Oktober fanden sich mehrere AktivistInnen am Nachmittag vor dem Eingang der Grazer Burg ein, um die eintreffenden in- und ausländischen JournalistInnen mit Flugblättern über die Polizeimethoden und Vorfälle vom letzten Freitag (Stoiber- Auftritt am Hauptplatz) zu informieren.

Zwei weiter Aktionen aus dem Kunstbereich fanden an diesem Tag statt: Der "Steirische Herbst" spielte am Mariahilferplatz bei mäßigem Publikumsinteresse die "Ständestaatrevue - 66 Jahre väterländische Front Österreich" im Rahmen von "RE-public"; im Palais Attems spielten Hubsi Kramar und Peter Paul Skrepek "Überlebenskünstler. Dr. Helmuth Zilk im Gespräch mit Adolf Hitler". [Shots]

Am Samstag dem 14. Oktober fand die Wahlkampfschlußkundgebung der FPÖ für Graz am Hauptplatz statt. Diesmal hatte die FPÖ ein Zelt aufstellen lassen, wohl um GegendemonstrantInnen besser abschirmen zu können. Nur ca. 400 FP-AnhängerInnen waren erschienen.
Die Polizei war mit einem noch nie gesehenen Aufgebot aufmarschiert, der Brunnen war zur Gänze "Sperrgebiet", hier versammelten sich üblicherweise die GegendemonstrantInnen. Deren ca. 60 waren erschienen, zusätzlich zahlreiche Leute mit Fotoapparaten und Videokameras, wahrscheinlich auch weil die Übergriffe der Polizei von der Vorwoche einen ähnlichen Ablauf auch diesmal befürchten ließen.
Doch siehe da: die Polizei reagierte völlig anders als noch eine Woche zuvor: mensch ließ die DemonstrantInnen bis zum Zelt vor, duldete Sprechchöre, Transparente und Pfeiferl.
So konnte die Rede von Haider mit lautem Protest bedacht werden. Zahlreiche FPlerInnen traten aggressiv auf, versuchten die Transpis runterzureißen, die Leute zu beschimpfen usw. - es kam jedoch zu keinen gröberen Handgreiflichkeiten. [Shots]

Am selben Tag fand die "reclaim the streets" Kulturkarawane-Party gegen rechts statt. Der Start war um 15.00 Uhr vom Südtirolerplatz. Dort hatten sich zur besagten Zeit ca. 60 Punks um ihren eigenen Demowagen versammelt und gezählte 6 Leute aus Wien - nämlich um den Wagen von Volkstanz.net. Die Leute aus Wien waren sichtlich um Abgrenzung zu den biertrinkenden Punks bemüht...
Schließlich zog die Demo los und die Wägen spielten im Abstand von wenigen Metern ihren Sound - alles ziemlich merkwürdig... Nach einem kurzen Stopp am Griesplatz (FPÖ-Zentrale) stießen plötzlich 4 weiter Wägen der Kuturkarawane gegen rechts zum Umzug - plötzlich war die Stimmung gelöster und die Leute verteilten sich halbwegs gleichmäßig über die ganze Länge der Demo. Beim Jakominiplatz war die Demo dann auf ca. 200 Personen angewachsen, jetzt wurden auch Flyer und Infomaterial an PassantInnen verteilt. Weiter gings über Glacis zum Karmeliterplatz, wo vor der ÖVP-Zentrale der nächste Stopp stattfand. Jetzt wurde von 3 Wägen Sound gemacht, ein sehr lautes Stimmen- und Musikwirrwarr beschallte den Platz.
Schließlich zog mensch weiter zum Eisernen Tor, wo dann bei guter Stimmung bis spät in den Abend gefeiert und abgetanzt wurde.
Ein wenig Hektik kam auf, als jemand eine Sylvesterrakete abfeuerte, die Polizei einschritt und eine Anzeige ankündigte. [Shots]
Nachtrag: Erneut Polizeiübergriffe beim Straßenfest

Am Mittwoch dem 11. Oktober fand der bundesweite Aktionstag gegen Studiengebühren statt.
Schon am Vormittag gab es Aktivitäten: Infostände in der Innenstadt mit Kreidemalen und einen von der ÖH-Führung organisierten Workshop zu Studiengebühren. Der war allerdings wegen der fehlerhaften Ankündigung nur von ein paar Eingeweihten besucht, dafür war der ORF dort...
Für 16.00 Uhr hatten ein paar Leute zu einer Aktion namens "Crossing the line..." vor der Uni-Mensa aufgerufen. An die 200 Leute beteiligten sich dann auch an der Aktion, bei der einfach ununterbrochen über die Zebrastreifen am Uni Kreisverkehr (Sonnenfelsplatz) gegangen wurde; schließlich konnte so der gesamte Verkehr zum Stillstand gebracht werden. Nach ca. 15 Minuten traf die zuerst ratlose Polizei ein, riegelte dann aber zeitweise die Zebrastreifen ab, sodaß der Verkehr passieren konnte. Schließlich wurde dann sowieso der gesamte Verkehr schon am Glacis umgeleitet, da die Demo der TU mit ca. 600 Personen eintraf.
Vor der Hauptuni hatten sich schätzungsweise beim Aufbruch Richtung Hauptplatz 8000 Studierende und Soldarische eingefunden.
Die Polizei hielt sich viel mehr im Hintergrund als bei den vorangegangenen Mittwochdemos, vielleicht auch deshalb, weil die ÖH-Führung einen eigens angeheuerten Security-Dienst als Ordner zur Überwachung der Demo einsetzte. Der lauteste Teil der Demo war wieder um den Wagen der GEWI zu finden, Sprechchöre wechselten sich mit toller Musik ab. Die Route führte über die Zinzendorfgasse zum Glacis, von dort zum Jakominiplatz und weiter bis zum Hauptplatz. Selten hatte mensch in Graz so eine laute Demo gesehen, bei den Studierenden schienen sich der Frust über diese Politik schon ziemlich angestaut zu haben.
Am Hauptplatz gabs dann vor ca. 6000 Menschen ein paar Reden zum Thema Studiengebühren; unter anderen sprachen der Rektor der KF-Uni und der Musikhochschule. Nur wenige RednerInnen stellten die Thematik Studiengebühren in den größeren (blauschwarzen) Zusammenhang. Der ÖH Vorsitzende beendete die Demo offiziell, sie war damit aber noch keineswegs zu Ende, hatte doch die GEWI noch eine Zusatzroute zum Südtirolerplatz und zurück angemeldet. Ca. 600 Studierende zogen lautstark weiter zum Südtirolerplatz um eine Feuershow einer KunstlerInnengruppe zu bewundern. Getränke und Süßigkeiten wurden verteilt, die Stimmung relaxt. Das änderte sich allerdings rasch, als ein paar Leute sich beim Rückweg der Demo zum Hauptplatz, am Grieskai niederließen und damit eine wichtige Durchfahrtsstraße blockierten. Innerhalb von Minuten war ein Sondereinsatzkommando, übrigens die gleichen Polizisten die am Freitag zuvor DemonstrantInnen geschlagen hatten, zur Stelle, und ein Staatspolizist meinte zur Versammlungsleiterin, daß sie gefälligst zum Weitergehen aufrufen solle, sonst würde das Gleiche wie am Freitag passieren... Die Demo zog rasch weiter und die inzwischen auf 150 Personen geschrumpfte Kundgebung kehrte zum Hauptplatz zurück. Dort wurden dann noch einige Termine durchgesagt und zur guter Musik getanzt. [Shots]

Am Freitag dem 6. Oktober fand ein Wahlkampfveranstaltung der ÖVP am Grazer Hauptplatz statt. Als Redner war Bayerns Rechtsaußen Stoiber angekündigt.
Nachdem die Rock- Gruppe Vollgas ihren superschleimigen Auftritt beendet hatte, begann ein kurze Rede von Stadtrat Nagl, Waltraud Klasnic folgte.
Ca. 20 DemonstrantInnen hatten sich eingefunden. Zuerst wurde versucht ein Transparent mit einem Stoiber Zitat am Brunnen zu befestigen ("Wir wollen nicht, dass sich hier Lebensformen etablieren die nicht deutsch sind ..."), die Polizei schritt aber energisch ein und verhinderte die Aktion.
Als Stoiber mit seiner Rede begann, gingen einige DemonstrantInnen näher zur Bühne, die AL (Antifaschistische Linke) versuchte ihr Tranparent hochzuhalten, wurde aber von den ÖVP- AnhängerInnen beschimpft und getreten, schließlich wurde ihnen sogar das Tranparent zerissen, die Polizei griff nicht ein.
Als dann die Gruppe einen Sprechchor skandierte ("Stoiber ist ein Rassist") kesselte die Polizei die ca. 12 Personen ein, was ÖVP- AnhängerInnen nicht weiter daran hinderte auf die DemonstrantInnen zu treten. Als Stoiber seine Rede beendete, wollte die Gruppe den Hauptplatz verlassen, doch plötzlich drängte die Polizei die im Kessel befindlichen Personen zwischen weiter hinten am Hauptplatz liegende Marktstände, trat und zerrte an den Leuten. Die schrieen um Hilfe, doch die PassantInnen (hauptsächlich BesucherInnen der ÖVP- Show) feuerten stattdessen die Polizei an härter zuzuschlagen ...
Die Polizei hatte offensichtlich eine Eskalation im Sinn, ein paar Minuten spielten sich tumultartige Szenen ab, schließlich wurden 3 Personen in Handschellen abgeführt, teilweise in eine schmale Seitengasse des Hauptplatzes, wo glücklicherweise PassantInnen auf die Vorgänge aufmerksam wurden und so Übergriffe der Polizei verhinderten. Von ca. 15 Personen wurden die Personalien aufgenommen. Mehreren wurden Anzeige wegen "Veranstaltungsstörung", und "Widerstand gegen die Staatsgewalt" angekündigt.
Ein Aktivist trug ein Aufnahmegerät bei sich, die Polizisten hielten ihn fest, verdrehten ihm den Arm und bogen zu dritt seine Finger zurück, mit denen er das Gerät umklammerte. Als er sie später nach dem Diktiergerät fragte, erwiderte einer der Beamten: "Das ist verloren gegangen."
Ein Fotograf wurde beim Aufnehmen der Szenen behindert, ihm schließlich sogar von einem Polizisten in Zivil die Kamera entwendet, und erst später wieder ausgehändigt. Dann wurde gegen ihn eine "Wegweisung" ausgesprochen.
Einem anwesenden Reporter von Radio Helsinki wurde sein Aufnahmegerät zu Boden gestoßen und seine Personalien wegen angeblicher "Behinderung der Amtshandlung" aufgenommen. [Fotobericht und LeserInnenbriefe]

Mittwoch der 4. Oktober stand wieder im Zeichen der Studierendenproteste. Um 10.30 gabs eine HörerInnenversammlung, zu der aber leider nur wenige Leute kamen. Das Geschwafel der ÖH-Führung dort führte schließlich dazu, dass sich Leute jenseits der ÖH für die Proteste organisieren wollen.
Ab 13.00 Uhr versammelten sich vor der Hauptuni nach und nach an die 800 Leute. Wieder waren, so wie letzte Woche, zwei Demowägen im Einsatz. Einer von der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaft und einer von der ÖH-Führung (AG-RFS).
Noch vor Beginn der Demo lieferte die AG mal eine Probe ihrer Dominanzkultur in Form von 1000enden Watt - die Leute von der Gewi hatten da mit ihrer schwachbrüstigen Anlage wenig zu lachen.
Ca. um 13.30 traf ein Demozug mit 80 Personen von der TU ein und schließlich setzten sich die gesamte Demo Richtung Geidorfplatz in Bewegung, vorne der Wagen der AG, in einigem Abstand der Gewi-Wagen. Von dem wurde auch ordentlich Stimmung mit Sprechchören und Musik gemacht, sodass nach einigen Minuten sich dreiviertel der Demo hinter den Gewi-Wagen gesellte. Die Stimmung war gut, die Demo sehr laut.
Über den Glacis gings weiter bis zur Elisabethstraße, dort wurde dann ein von ein paar Leuten initiertes "Picknick" direkt auf der Kreuzung zum Konfliktpunkt innerhalb der Demo. Nach zirka 15 Minuten Blockade und Drohungen der Polizei an den Veranstaltungsleiter und ÖH-Vorsitzenden Sebastian Berka, endlich weiterzugehen, meinte dieser genervt über das Mikro, dass "Blockaden nichts bringen" und die Leute endlich weitergehen sollten. Der AG-Wagen fuhr daraufhin sofort los und der Versuch einiger Leute die Demo trotzdem im Kreuzungsbereich zu halten scheiterte.
Schließlich zog mensch über die Herrengasse, wo sich wahlwerbende ÖVPler einiges anhören mußten, weiter bis zum Hauptplatz. Dort gabs dann ein paar Redner, der Konflikt zwischen engagierten Studierenden und ÖH-Führung sorgte auch hier nocheinmal für hitzige Reden. [Shots]

Am Freitag den 29. September versammelten sich um 17 Uhr am Hauptplatz ca. 200 Menschen zu einer TaxifahrerInnendemo. Diese richtete sich gegen die Diskriminierung von ausländischen TaxilenkerInnen in Graz. Immer wieder kam es in Graz, besonders in der letztem Zeit, zu rassistischen Anfeindungen und Übergriffen an TaxilenkerInnen.
Auf der Kundgebung gab es Redebeiträge von TaxlerInnen, Bürgermeister Stingl und zwei weiteren Politikern. Als die Redebeiträge um ca. 17.45 aus waren, blieben die meisten Leute noch um mit den zahlreich anwesenden TaxifahrerInnen zu reden.
Auch zahlreiche politischen AktivistInnen zeigten ihre Solidarität mit den TaxlerInnen.
Leider wahr: die Kundgebung war die erste dieser Art in Österreich! [Shots]

Am Mittwoch dem 27. September fand wieder eine Demonstration der Studierenden gegen Studiengebühren statt.
Diesmal zogen rund 2000 Leute durch die Straßen. Am Eisernen Tor wurde die Staßenbahn für 15 Minuten, bis zum Ultimatum der Polizei, blockiert, ein ziemliches Verkehrschaos war die Folge. Die Stimmung war um einiges besser als noch eine Woche zuvor, dafür sorgten unter anderem zwei mitfahrende Demowägen wo hin und wieder Musik aufgelegt wurde. [Shots]

Am Mittwoch dem 20. September demonstrierten Grazer StudentInnen gegen die geplante Einführung von Studiengebühren von 5000 öS pro Semester. Der Beschluß des rechts-rechtsextremen Sozialabbau-Ministerrats wurde am Dienstag bekannt, erfreulich, dass sich so schnell an die 2500 StudentInnen für die Demonstration mobilisieren ließen.
Mit Beginn 13.00 Uhr versammelte sich eine bunte Mischung von Leuten (ÖH Funktionäre, Erstsemestrige, MayDay AktivistInnen, KPÖ Funktionäre, AktivistInnen vom Streik 96, sogar ein paar Burschenschaftler wagten sich an den Rand der Versammlung) vor dem Hauptgebäude der Uni Graz. Rektor Lothar Zechlin hielt eine kurze Rede in der er sich mit den Protestierenden solidarisierte. Auch von der TU Graz waren einige Leute geschlossen zur Uni gekommen.
So setzte sich schließlich ein langer Demozug Richtung Hauptplatz in Bewegung. Die Polizei war ziemlich massiv aufmarschiert und bildete anfangs beiderseits der Demo lose Ketten. Die ÖH Führung, ließ sich von der Polizei bei der Anmeldung der Demoroute ziemlich einschüchtern und so mußten sich 3000 Leute durch die schmale Hans Sachs Gasse drängeln, ehe mensch auf die Herrengasse durfte. Die Stimmung auf der Demo war im Allgemeinen recht fad, nur vorne machten ein paar Leute mit Megaphonen und Sprechchören Stimmung. In der Herrengasse zerflederte sich die Demo durch das viel zu schnelle Tempo sogar so weit, dass mensch nicht mehr zwischen Demo und PassantInnen unterscheiden konnten. Erst am Hauptplatz war dann alles wieder dicht gedrängt, dort waren dann ein paar kurze Redebeiträgen von überforderten ÖH Funktionären zu hören.[Shots]

Am Sonntag dem 17. September fand um 14.00 der Wahlkampfauftakt der ÖVP im Landhaushof statt.
Einige regierungskritische AktivistInnen "dankten" der Frau Landeshauptmann Klasnic, für ihr Engagement am Entstehen einer FPÖVP-Koalition. Etwas ganz Spezielles bekam sie überreicht: Während ihrer Eröffnungsrede wurde sie und ihre Zuhörerschaft von ganz vielen grünen Flugzetteln beregnet. Über das Mikro hat sich die Landesmutter dann artig bedankt, und den unter zwanzigjährigen verzeiht sie auch ... Das freut uns aber!

Am Freitag, dem 1. September fanden sich neben 10 WienerInnen ungefähr 40 Grazer Widerständige, darunter MayDay Graz- AktivistInnen gegen 18 Uhr auf dem Hauptplatz ein, um gegen das dort stattfindende "Starke Fest" der FPÖ zu demonstrieren. Durch ihre lautstarke Parolen ("Schwarz & Blau - Supergau", "Von Graz bis Brüssel will keiner Haider und Schüssel", "Kinderscheck ist Kinderschreck") machten sie es einem großen Teil der FPÖ-Zuhörerschaft unmöglich, die Veranstaltung unbeeinträchtigt zu verfolgen.
Besonders Susi musste künstlich-freundlich einige Minuten lang lächeln und einige Schluck Wasser nehmen, bis es ihr möglich war zumindest sich selbst zu verstehen.
Den Protestierenden selbst war es, wie eben auch den vielen umstehenden Personen, teilweise unmöglich die Inhalte der FPÖ-RednerInnen zu verstehen, sie beliefen sich jedoch auf das übliche Programm: Härteres Vorgehen gegen Drogenkonsum (Programmpunkt fast aller Sprecher), gegen den "Ausverkauf des Steirischen Trinkwassers" (besonders von Jörgerl gefordert), gegen "ausländische" FotografInnen und KöchInnen bei steirischen Empfängen (Peterle), Rechtfertigung des neuerlichen Sparpakets der Bundesregierung (insbesondere Susi), Propagierung des Kinderschecks (vor allem SprecherInnen der Landespartei), und (als besondere Gemeinheit) Forderung zur Entschädigung der österreichischen und deutschen Soldaten während des 2. Weltkriegs auf Seiten der Wehrmacht.
Auch ein Dementi ist an dieser Stelle angebracht: Niemand versuchte, entgegen den Meldungen der "Kleinen Zeitung" Jörgerl mit faulen Eiern zu bewerfen.

Am Freitag, dem 11., und am Montag dem 14. August schwärmten MayDay AktivistInnen in die Grazer Innenstadt aus um den neu gestalteten Tourismus-Folder unter die zahlreich in der Stadt herumirrenden Touris zu bringen. Die in mehrere Sprachen übersetzten Folder bieten einen Rundgang durch Graz an, der "[...] Ihnen den Weg zu den Attraktionen der freiheitlich dominierten Gegenwart und zu Orten nationalsozialistischer Vergangenheit weist."
Die Forderungen an die TouristInnen:
- Verbringen Sie so lange keinen Urlaub mehr in Österreich, wie die ÖVP-FPÖ-Regierung an der Macht ist.
- Setzen Sie sich in Ihrem Land für einen Urlaubsboykott von Österreich ein, solange RechtsextremistInnen an der Regierung beteiligt sind.
- Sorgen Sie in Ihrem Land für eine Verschärfung des Drucks auf die österreichische Regierung und für eine ständige kritische Beobachtung.
- Unterstützen Sie den Widerstand gegen Rassismus, Faschismus und Sexismus in Österreich!

Am Donnerstag, dem 20. Juli versammelten sich am Grazer Hauptplatz laut Kleiner Zeitung 800 Angestellte der GKK-Ambulatorien. Sie protestierten gegen die Einführung der Ambulanzgebühr in der Höhe von öS 150, bzw. öS 250 (ab 2001) durch Blauschwarz. Protestunterschriftenlisten gegen die Gebühren liegen bei den Krankenkassen auf.

Am Mittwoch, dem 28. Juni veranstaltete die STRV der ÖH Uni Graz ein Widerstandsfest gegen Schwarzblau unter dem Motto "RESIST".
Trotz der inzwischen am Unigelände schwierig gewordenen Werbung für linke Veranstaltungen (Plakate werden gerissen etc.), gab es ein tolles Fest. Mayday machte einen Infostand am Eingang: Flugis wurden verteilt; verkauft wurden Sticker, Pickerl und das erste mal die bekannten Passhüllen mit der Aufschrift "Ich habe unsere Regierung nicht gewählt". Die Einnahmen kommen der Rechtshilfe zugute.

Am Mittwoch, dem 28. Juni manifestierte sich der "Streik" in Graz am augenscheinlichsten durch eine Demonstration von ca. 500 Gemeindebediensteten. Über den Opernring zogen die mit ihren orangen Overalls gut sichtbar und hörbaren Demonstrierenden, und beseitigten symbolisch mit ihren Putzmaschinen, und mit Schaufel und Besen, das "Belastungspaket der Regierung".

Am Samstag, dem 17. Juni nahmen 4 VertreterInnen von MayDay Graz an der ersten gesamtösterreichischen Widerstandskonferenz in Klagenfurt teil.

MayDay startete am Donnerstag, dem 15. Juni, eine öffentliche Aktion: AktivistInnen bestiegen eine Straßenbahn und konfrontierten die Fahrgäste mittels unüberhörbaren Megaphondurchsagen mit Haider-Zitaten, Erich Fried-Texten und den jüngsten politischen Entwicklungen. Die Fahrgäste reagierten teilweise sehr heftig, zum Großteil aber positiv. Nach 2 Stunden, und vielen "Bimwechseln" wurde die Aktion abgebrochen, da ein Fahrer über Funk die Polizei verständigte.

Am Donnerstag, dem 15. Juni, sendete Radio Helsinki, im Rahmen des bundesweiten Aktionstages für freie Medien, direkt aus der Grazer Sporgasse. PassantInnen hatten die Möglichkeit live on air ihre Message durchzugeben. Gleichzeitig wurde natürlich über die Situation der freien Medien in Österreich in allgemeinen, und über die finanzielle Notlage von Radio Helsinki in besonderen informiert. Also: Werdet Mitglied bei Radio Helsinki! Für 400 öS/Jahr sichert ihr ein freies Radio in Graz!

Am Freitag, dem 9. Juni erinnerten sechs "Pappkameraden" in der Grazer Herrengasse an die Todesfälle (Todesschüsse der Polizei, unterlassene Hilfeleistung bei einem Flüchtlingskind, Todesfälle im Polizeigewahrsam) seit Antritt der Schwarzblauen Regierung. Die Aktion erregte ziemlich viel Aufmerksamkeit.

Jeweils Freitag, dem 12., 19., und 26. Mai machten MayDay AktivistInnen den Hauptplatz zur Widerstandszone: Musik, Flugis verteilen, Informieren, Streiten und Kreidemalen standen auf dem Programm.

Am Dienstag, dem 9. Mai veranstaltete das EKH (Ernst Kirchweger Haus) im Rahmen ihrer Tour durch ganz Österreich eine Straßenparty am Eisernen Tor in Graz. MayDay beteiligte sich an der im Motto von "Gegen Scharzblau" stehenden Party mit einem Infostand. Um ca. 15.00 Uhr begann die Show mit "Confrontainment, Education, Provokation, Propaganda, Performance Steetparty, Schrott und Turntable". Zahlreiche Sympathisanten hatten sich eingefunden, auf der anderen Straßenseiten stand die Leute gar Schlange, um eine Blick die für Grazer Verhältnisse doch etwas andere Show zu sehen. Theatereinlagen, Feuershow, DJs, Essen von "Food not Bombs" , usw. sorgten für eine gute Stimmung. Natürlich kam neben dem Spaß auch die Politik nicht zu kurz: ein Infoladen mit Büchern, Buttons, T-Shirts, Flugblättern und Zeitschriften; Ansagen und Verlesen von politischen Texten sorgten für Information jenseits des massenmedialen Konsenses.
Schon am Nachmittag wurde die Veranstaltung von auffallend vielen Staatspolizisten beobachtet, am späten Abend wusste mensch warum: Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei an, umstellte den Platz, und begann dann mit einer Durchsuchung der beiden EKH Bussen.
Darstellung des EKHs zu den Vorfällen in Graz

Am 5. Mai organisierte MayDay2000, die Plattform für emanzipatorische Frauenpolitik, die Grünen, die Grüne Jugend, der GLB und die KPÖ eine weitere Demonstration. Rund 150 Leute zogen vom Hauptplatz aus die Annenstraße entlang bis zum Arbeitsamt in der Keplerstraße.

Am 1. Mai organisierte das Euromarsch Komitee mit Unterstützung von AUGE, GLB, MayDay2000 Graz, KPÖ und SOAL eine Aktion vor dem Landhaus in der Herrengasse und eine Demonstration zum Griesplatz.
Unter dem Rhytmus einer nigerianischen TrommlerInnengruppe fanden sich nach und nach insgesamt ca. 300 Personen, die Hälfte davon KurdInnen, vor dem Landhaus ein. Die angekündigte Aktion bestand darin, das für jeweils 1000 Arbeitlose SteirerInnen ein aus Karton gefertigter "Arbeitloser/Arbeitslose" entlang der Straßenbahnschienen aufgestellt wurde. Nach ein paar Redebeiträgen, auch von MayDay, setzte sich der Demozug recht zögerlich in Bewegung, erst kurz vor dem Griesplatz kam etwas Stimmung im vorderen "Demoblock" auf - hinten machten die KurdInnen schon von Beginn an lautstark auf ihre Weise auf sich aufmerksam. Schon vor der Demo hatten AktivistInnen von MayDay den 1. Mai Aufmarsch der SPÖ am Grazer Hauptplatz mit einem Transparent mit der Aufschrift "Wer Rassismus sät, wird Schwarzblau ernten!" empfangen, und so das selbstherrliche Auftreten der SPÖ zurechtgerückt. Am Abend in der ORF Sendung "Steiermark heute" nannte der Bericht zum 1. Mai in Graz eine TeilnehmerInnenzahl von 4500 bei der SP-Veranstaltung - unsere Schätzung lag bei maximal 2000 Personen - während die Euromarsch-Demo mit keinem Wort erwähnt wurde...

Am 28. April wiederholte MayDay die Malaktion am Hauptplatz, wiederum kombiniert mit einem aktualisierten Infostand.

Am 14. April organisierte MayDay, im Rahmen des bis jetzt jeden Freitag seit Anfang Februar um 18 Uhr stattfindenden Infostands am Grazer Hauptplatz, eine Straßenkunstaktion unter dem Titel "Die Kunst der Stunde ist Widerstand!" Mittels Farbkreide malten diverse KünstlerInnen Symbole gegen Schwarz-Blau, Widerstandsaufrufe sowie verschiedene rechtsextreme Zitate von FP-FunktionärInnen auf den Asphalt. Die Aktion machte ziemlich viel Aufsehen, auch die Infowand zum Widerstand gegen die Schwarz-Blaue Regierung zog die Menschen an. Leider mußte die Aktion vorzeitig abgebrochen werden: Die Polizei macht wieder einmal "Streß" und wollte zum Schluß sogar das Austeilen von Flugzetteln verbieten.

Am Mittwoch, dem 12. April veranstalteten die Studienrichtungsvertretungen der geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz einen Aktionstag gegen geplante Einsparungen auf der Universität.
Um 11.30 Uhr setzte sich ein Demozug mit ca. 200 TeilnehmerInnen vom Wall-Gebäude/Merangasse in Richtung Uni Hauptgebäude in Bewegung. 2 Straßenkreuzungen wurden kurz blockiert und der Protst mit heftigem Läuten von Fahrradglocken manifestiert. Als die Demo die Uni erreichte, konfrontierten die DemonstrantInnen mit Sprechchören wie "Solidarisieren, mitmarschieren!" die zahlreich den Straßenrand säumenden Studierenden. Zum Mitgehen bewegen ließen sich aber leider nur wenige.

Am Samstag, dem 1. April, veranstalteten die Grünen ein Hip-Hop Konzert "für ein anderes Österreich". Trotz Sauwetter kamen an die 200 Jugendliche zusammen - Partystimmung kam auch auf! Zwischendurch gab es immer wieder ein paar kurze Redebeiträge, auch ein MayDay2000 Sprecher konnte zu Wort kommen. Am Abend fand, diesmal im trockenen "neuen Arcadium", eine After-Concert-Party statt. Über Stimmung und TeilnehmerInnezahlen können wir leider nur spekulieren!

Am 30. März fand eine Protestveranstaltung im Rahmen der "Diagonale - Festival des österreichischen Films" statt. Die OrganisatorInnen, teils Leute von "Get To Attack" hatten zum Protest aufgerufen, da die steirische Landesregierung den SiegerInnenpreis von 160.000 öS kurzfristig streichen ließ, mit der Begründung, daß die Filmschaffenden eine Protestresolution gegen die Schwarz-Blaue Regierung unterzeichnet hatten.
Die Demo gestaltete sich als "Wanderung", wie sie aus Wien bekannt ist, d.h. ohne Redebeiträge, ohne OrdnerInnen etc. An die 300 Menschen hatten sich vor dem Schubertkino in der Grazer Innenstadt eingefunden. Erfrischend war die Art und Weise wie die KünstlerInnen ihren Protest anlegten: Tröten, Trillerpfeifen und Sirenen sorgten für die lauteste Demo seit langem. Die Polizei war wieder ziemlich massiv aufmarschiert und legte aggressives Verhalten an den Tag: die Staatspolizisten mischten sich unter die DemoteilnehmerInnen und versuchten Unruhe in die Demo zu bringen. Schließlich kam es in der Burggasse zu einer Aufnahme von Personalien von einem Demonstanten mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung. Die Polizei hatte angeblich einen Demoteilnehmer beim Aufkleben eines Pickerls beobachtet! Die Demo kümmerte sich leider nicht allzuviel über die Polizeiwillkür und zog weiter. Am Opernring und am Grazer Hauptplatz wurde die Straßenbahnen für einige Zeit blockiert, auf "sanften" Druck der Polizei mußte aber dann der Platz wieder der Bim überlassen werden. Schießlich wurde zum Abschluß der Hauptplatzbrunnen erklommen und ein "Get To Attack"- Transparent montiert - auch schön!

Am Freitag, dem 24. März, organisierte MayDay2000, die Plattform für emanzipatorische Frauenpolitik, die KünstlerInnenplattform Graz Kunst, die Grüne Jugend und die KPÖ-Steiermark eine weitere Grossdemonstration. Mit dem gemeinsamen Aufruf "Für Toleranz und Weltoffenheit statt nationalistischer Abschottung!" sowie "Für soziale Gerechtigkeit statt Sparpakete zu Lasten von Frauen, sozial Schwachen, Bildung und Kultur!", konnten immerhin ca. 800 TeilnehmerInnen auf die Straße moblisiert werden. Die Ankündigung der Demonstration mittels Plakate gestaltete sich recht schwierig: Speziell in Uni-Bereich waren über mehrere Nächte hindurch fast alle Demoplakate abgespachtelt worden, teilweise hinterließen die, wie mensch annehmen muß, organisierten Plakatreißer, Sprüche wie "Widerstand dem Widerstand SS". Nur ein in Höhe des ersten Stocks am Hauptgebäude der Uni montiertes Tranparent blieb unbehelligt.
Die Demo selbst begann mit relativ gedämpfter Stimmung, als sich der Zug dann allerdings bei einbrechender Dunkelheit in Bewegung setzte, schlug die Stimmung in lebendigen, lautstarken Protest um. Vor dem Schubhaftgefängnis gab es heftig beklatschte Reden zu den Themen Polizeirepression gegen RegierungsgegnerInnen und zum Mord an Marcus Omofuma. Ein Grossaufgebot an Uniformierten und Staatspolizei begleitete die Demo über den Glacis, wo sich einige Fenster öffneten und Leute die Demo beklatschten. Der vorne fahrende "Lauti" heizte die Stimmung mit Musik weiter an, und als die Demo schießlich den Hauptplatz erreichte und mit einer alternativen Bugetrede beendet wurde, war allen klar, daß der Widerstand auch in Graz auf der Straße weitergeht. In diesem Sinne kündigte auch ein Sprecher an, daß in Zukunft jeden Freitag eine kleinere Aktion am Grazer Hauptplatz, und einmal im Monat eine Grossdmonstration organisiert wird.

Am 17. März fand eine Widerstandslesung der Plattform für emanzipatorische Frauenpolitik in der Grazer Herrengasse statt.

Am 8. März, dem internationalen Frauentag organisierte das 8. März Komitee eine Kundgebung am Grazer Hauptplatz. Trotz ungünstigem Termin (11 Uhr Vormittags) fanden sich and die 300 Frauen und ein paar solidarische Männer ein. Nach den offiziellen Redebeiträgen, die unter anderen von einer Vertreterin der Grünen GewerkschafterInnen, von ehemaligen Grazer Frauenbeauftragten und von einer Vertreterin von Radio Helsinki absolviert wurden, bot frau anwesenden Frauen an, zum Mikro zu greifen, um ihren Widerstand, im speziellen gegen das frauenfeindliche Schwarz-Blaue Regierungsprogramm, auszudrücken. Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen mit "offener Bühne" blieben alle folgenden Redebeiträge in Sinne der VeranstalterInnen (sic!). Für die Mittagszeit war eine Demo durch die Grazer Innenstadt geplant, da die OrganistorInnen allerdings mehr Leute erwartet hatten, wurde die Demo leider kurzfristig abgesagt.

Am Dienstag, dem 7. März, nahm Mayday unangemeldet am Grazer Faschingsumzug teil: Mit einem Transparent "Stoppen wir blau-schwarz" reihten sich einige maskierte Gestalten spontan in den - ausgerechnet von der konservativ bis reaktionären "Kleinen Zeitung" organisierten - Zug ein. Die Reaktionen aus der Zuschauermenge reichten von Beschimpfungen und Hitlergruß bis zu demonstrativer, lautstarker Zustimmung. Vorbildlich verhielt sich die Grazer Polizei: In der Meinung, einen hochoffiziellen Karnevalsbeitrag vor sich zu haben, war sie eifrig bemüht, dem Transparent zwischen Konfetti werfenden Kindern hindurch seinen Weg zu bahnen. Lediglich die ORF-Moderatorin hatte offenbar bei der Live-Übertragung ihre liebe Mühe damit, den nicht eingeplanten politischen Beitrag, der da auf einmal groß im Bild war, geistesgegenwärtig zu kommentieren.

Am 3. März versuchte MayDay eine neue Form des Protests: Ein Speakers-Corner sollte allen GegnerInnen der Schwarz-Blauen Regierung die Möglichkeit bieten, in der Öffentlichkeit ihren Wut und Ärger lautstark Ausdruck zu verleihen. Als erste Rednerin durfte MayDay die ehemalige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, begrüßen. Nach ca. eineinhalb Stunden fand die Veranstaltung nach zahlreichen Wortmeldungen ein Ende.

Am 25. Februar veranstaltete Mayday2000 eine weitere Demonstration durch Graz. Ca. 400 GegnerInnen der Regierung fanden sich am Hauptplatz ein, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Die Demonstration wurde mit Redebeiträgen der Grünen Gewerkschaft und der Gewerkschaftsjugend eröffnet. Im Anschluß daran zogen die AntifaschistInnen über die Herrengasse und Radetzkystrasse zum Griesplatz, um vor der FPÖ Zentrale ihrem Unmut über die Regierungsbeteiligung der FPÖ zu bezeugen. Vor der FPÖ Zentrale kam es zu einem Zwischenstop. Es gab einen Redebeitrag der Antifaschistischen Linken und einen Redebeitrag, der sich aus Textstellen aus der Jungle World zusammensetzte. Wieder wurde die faschistische Geisteshaltung der FPÖ kritisiert. Der Zug führte über den Südtirolerplatz zum Lendplatz, wo vor der Kronen-Zeitung wieder Halt gemacht wurde. Die DemonstrantInnen zeigten sich von Drohgebärden und Beschimpfungen, denen sie von einigen Kronen-Zeitung Mitarbeitern ausgesetzt waren, unbeeindruckt. Flugblätter, die dokumentieren, daß in diesem Boulevard-Blatt wissentlich Fotos gefälscht wurden, machten die Runde. Über die Wickenburggasse führte der Weg zum Schubhaftgefängnis, vor dem eine Mitarbeiterin von Amnesty International auf die Auswirkungen der FPÖ- Regierungsbeteiligung und auf die Verschärfung im Umgang der Staatsgewalt mit Minderheiten hinwies. Der Demonstrationszug endete am Karmeliterplatz vor der ÖVP-Zentrale mit dem Verlesen einer von der Frauenplattform verabschiedeten Resolution gegen die Schwarz-Blaue Regierung und mit den Beitrag eines Schülers, der die Sorgen vieler Schüler ansprach und auch von dieser Seite Widerstand ankündigte.

Am 19. Februar trafen sich viele GegnerInnen der rechts-rechts
extremen Regierung, unter anderem von MayDay, am Grazer Hauptbahnhof, um in einem Sonderzug oder in Bussen nach Wien zu fahren um an der Großdemonstration teilzunehmen.

Am 18. Februar organisierte MayDay 2000 eine weitere Protestveranstaltung am Grazer Hauptplatz. Ca. 150 Menschen fanden sich ein. Das Programm: Mehrere Redebeiträge, unter anderen sprach eine Vertreterin von ZEBRA, ein MayDay-Stand mit Infos zur Fahrtmöglichkeit nach Wien zur Großdemonstration am Samstag, eine Infowall mit verschiedenen Zeitungsberichten und Texten jenseits der massenmedialen Desinformation und die Möglichkeit, Transparente zu malen. Flyers und Plakate für eine weitere Demonstration in Graz am 25. Februar fanden wieder ganz guten Absatz.

Der 11. Februar wurde trotz allem zu einem lokalen Höhepunkt des antifaschistischen Widerstandes: Nach anfänglichen Mißverständ-
nissen (ziemlich viele hatten sich am falschen Treffpunkt eingefunden) zogen über 3000 Menschen durch die Innenstadt und machten ihrer Wut und ihrem Zorn vor der FPÖ-Zentrale Luft. In einigen Straßen kamen die AnwohnerInnen auf den Gehsteig und klatschten, andere lehnten sich mit dem Siegeszeichen und beifälligen Zurufen aus dem Fenster. Auf sog. Ausschreitungen seitens der DemonstrantInnen wartete das bestens ausgerüstete MEK im Hof der Freiheitlichen freilich vergeblich, und auch einige rechte Provokateure brüllten die von den Medien erwartete Eskalation nicht herbei. Ein paar Eier trafen zur Freude der Kundgebung unter der lautstarken Aufforderung "Haut ab!" ihr Ziel. Erst nach Stunden, nach denen viele keine Stimme mehr für Sprechchöre hatten, erreichte die Demo den Hauptplatz, wo die Schlußkundgebung stattfand. Aber: Die Proteste werden andauern, und zwar, wie ein Aktivist von MayDay ankündigte, solange, bis diese Regierung fällt!

Am 7. Februar trafen sich wieder ein paar Hundert Leute zu einer kurzen, aber lebhaften Kundgebung vor dem Rathaus, die ohne irgendwelche Zwischenfälle verlief. MayDay2000 rief dabei zu einer Großdemo am kommenden Freitag auf und stieß damit etablierte Organisationen wie die Grünen vor den Kopf, die den Protest gegen Schwarz-Blau a) nicht so schnell und b) nicht von einem aus ihrer Sicht derart unberechenbaren Haufen wie MayDay organisiert sehen wollte. Doch die Straße hatte längst auch im verschlafenen Graz ihre Eigendynamik entwickelt: Die ÖVP wetterte über den Mißbrauch der Schulen, da die Flugblätter für die Demo massenweise in den Klassenzimmern auftauchten. Die steirische FPÖ wußte von 100 ÖS für normale DemonstrantInnen und 600 ÖS für Linksradikale, die MayDay angeblich ausbezahle. Jeder noch so bescheidene Infostand löste einen Großalarm der Grazer Polizei aus. Am Tag der angekündigten Großdemo kontrollierte Staatspolizei anhand von Namenslisten sogar die Züge aus Wien.

Für den 5. Februar kündigte MayDay2000 einen Protest an unter dem Motto "Stoppen wir Schwarz-Blau! Keine Koalition mit dem Rassismus!" Unter MayDay hatten sich in diesen Tagen mehrere Menschen spontan zusammengefunden, um abseits von Parteien einen aktiven und lebendigen Widerstand in Graz zu organisieren. Die Kundgebung am Samstag, für die MayDay 30 TeilnehmerInnen polizeilich angemeldet hatte, wurde von DemonstrantInnen förmlich überrannt. Binnen Minuten kam der öffentliche Verkehr zum Erliegen, die Versuche der Polizei, die Leute von den Schienen zu vertreiben, erwiesen sich als hilflos. Die Menge strömte auf den Hauptplatz und kurz darauf bewegte sich eine Spontandemo von über 2000 Menschen mit viel Lärm und mit kampflustiger Stimmung und viel "Widerstand! Widerstand!" zu den Parteizentralen der rechs-rechtsextrem Koalition. Vor dem Haus der FPÖ besetzte ein Teil der DemonstrantInnen eine Kreuzung, die sie erst nach einem Räumungsultimatum der mittlerweile höchst genervten Polizei wieder freigaben. Mühsam ließ sich die Einsatzleitung schließlich das Zugeständnis abringen, die Demo noch einmal unbehelligt zum Hauptplatz zurückkehren zu lassen. Dort erklärten die OrganisatorInnen die Kundgebung nach einem lautstarken Abschluß für beendet. Mitten in der allgemeinen Auflösung hatten einige Jugendliche die Idee, ein bißchen die Straßenbahn zu blockieren, und bevor die anderen begriffen, was sich abspielte, saßen sie schon auf dem Gleis. Der seitens der staatlichen Gewalt willkommene Vorwand war da: Ohne Vorwarnung stürmte das Mobile Einsatzkommando (MEK) mit Helmen und gezogenen Schlagstöcken den Hauptplatz und stürzte sich auf alles, was an der Demo teilgenommen hatte und sich noch in der Nähe der Schienen aufhielt. Die Beamten prügelten auf Leute ein, die am Boden lagen, und schleiften und zerrten andere brutal über den Platz. Angesichts solcher Gewaltausbrüche griffen sogar unbeteiligte PassantInnen mit Rufen wie "Keine Gewalt!" ein. Das MEK verhaftete schließlich vier junge Leute, die nicht einmal auf den Schienen gesessen hatten, wegen "Widerstands gegen die Staatsgewalt". Unklar ist, wieviele DemonstrantInnen Anzeigen erhalten werden. Daß an diesem Abend nicht noch mehr passierte, ist der engagierten Anwesenheit einiger Grün-PolitikerInnen zu verdanken, die intervenierten, auf die Polizeiwachzimmer gingen und einen Anwalt herbeitelefonierten. Trotz des Schocks über den für Grazer Verhältnisse ungewohnt harten Polizeieinsatz ging es weiter:

Am 4. Februar riefen Grüne und ein Protestforum - eine Plattform verschiedenster Organisationen von der KPÖ bis ins katholische Lager - zu einer Kundgebung für ein anderes Österreich auf. Etwa 1500 GrazerInnen versammelten sich vor der ÖVP-Zentrale und harrten zahlreiche Redebeiträge lang unter der Nationalflagge und in der Kälte aus. Die einzigen Auseinandersetzungen auf der Demo spielten sich zwischen dem Donauwalzer der OrganisatorInnen und den Sprechchören einiger "Musikbanausen" unter den TeilnehmerInnen ab.
Die Demo zum Anhören gibt es hier.

MayDay 2000 ruft weiterhin zum Widerstand auf! Stoppt Schwarz-Blaues Regieren! Gegen Sexismus, Faschismus und Sozialabbau! Immer und überall!




* die Widerstandschronologie wird so lange so heissen, solange eine ÖVP-FPÖ Koalition regiert.
Interessante Aktionen, Demos etc. von denen wir erfahren werden hier festgehalten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.