Nie wieder Ulrichsberg!
Antifaschistische Aktionstage 2007 in Kärnten / Koroska
Am 16. September 2007 fand bei Klagenfurt/Celovec wieder eines der größten rechtsextremen Treffen Europas statt: Bei der - wie sie offiziell genannt wird - Heimkehrergedenkstätte am Ulrichsberg kamen SS-Veteranen und Kameradschaftsverbände, aber auch Burschenschafter und junge RechtsextremistInnen zusammen, um des Krieges der deutschen Wehrmacht glorizierend zu gedenken.
Zahlreiche AntifaschistInnen aus Österreich und Bayern protestierten auch heuer gegen die Ulrichsbergfeier. Gegenüber den Vorjahren unterschieden sich die Antifaschistischen Aktionstage 2007 nicht nur dadurch, dass es ausnahmsweise mal nicht wie aus Kübeln schüttete, sondern auch durch eine gute Infrastruktur vor Ort und eine größere Entschlossenheit, nicht nur symbolisch zu demonstrieren, sondern nach Kräften den Ablauf des rechtsextremen Events zu stören.
Am Freitag Abend fand bereits die erste Demonstration statt, die unter dem Motto "Freiräume statt Ulrichsberg" stand und mitten durch das Zentrum führte. Als eine Art Reclaim the streets geführt, thematisierten die AktivistInnen vor allem die drückende Hegemonie einer Kärntner Kultur, die sich aus 10.Oktober-Feiern, Kärntneranzug und Blasmusik zusammensetzt, und die Repression gegen jeden Versuch, daraus auszubrechen.
Am Samstag Vormittag blockierten etwa 100 AntifaschistInnen den Steg im Strandbad Klagenfurt, von dem aus die Ulrichsberggemeinschaft eine Schiffahrt auf dem Wörthersee antreten wollte. Nach einigen Rempeleien und einem musikalischen Ständchen, mit dem die Kameraden die antifaschistischen Sprechchöre zu übertönen versuchten, wurden die rechten BootsfahrerInnen unter Polizeibegleitung zu einer anderen Anlegestelle umgeleitet (was mit der rechten Vorstellung eines heldenhaften Abgangs vermutlich nicht so ganz harmonierte). Die Polizei kesselte anschließend die DemonstrantInnen ein und nahm von allen die Personalien auf.
Am Abend versuchten ungefähr 80 AktivistInnen in Krumpendorf gegen den Kameradschaftsabend der Ulrichsberggemeinschaft und vor allem der K IV zu protestieren, der skandaleuserweise immer im dortigen Gemeindesaal stattfindet. Doch sobald die AktivistInnen den Bahnhofsvorplatz erreicht hatten, wurden sie von 20-30 EinsatzpolizistInnen massiv angegriffen und unter Tritten und Prügeln zurückgedrängt. Trotz verstärkter Transparente und Ketten ging einfach gar nichts mehr: Nach einigen vergeblichen und brutal beantworteten Versuchen, die Reihen der Polizei zu durchbrechen, mussten die DemonstrantInnen aufgeben und mit der Einsatzleitung über einen Abzug verhandeln.
Sehr erfreulich verlief dafür der Sonntag direkt am Berg: Mehr als 150 DemonstrantInnen verzögerten den Beginn der Ulrichsbergfeier um gut eine Stunde, indem sie mit Blockaden und Barrikaden aus Bäumen die einzige Zufahrtsstraße versperrten. Unter dem Codewort "Banane" stürmten die DemonstrantInnen gleich zu Beginn eine Böschung hinauf und versperrten mit Sprechchören wie "Gegen Euch und Eure Ahnen helfen nur noch Partisanen!" und "Alerta Alerta Antifaschista!" die Straße. Nachdem die PolizistInnen diese erste Blockade weggedrängt hatten, bildeten sich aus einer anfänglichen Verwirrung im Wald gleich zwei neue. Pikantes Detail am Rande: Die Polizei hatte ihre Tretgitter unbeaufsichtigt zurückgelassen, die die DemonstrantInnen nun quer über die Straße stellten und zusammen mit Baumstämmen und Ästen zu einer kleinen Barrikade ausbauten. Wieder dauerte es, bis Polizeigewalt die Straße freigeräumt hatte, und danach gelang trotz Polizeiketten sogar eine vierte Blockade. Einige Einheiten verloren daraufhin offenbar die Nerven und stießen die Leute brutal in einen Straßengraben - und mussten zur Kenntnis nehmen, dass die meisten, sobald sie wieder herausgeklettert waren, erneut die Straße sperrten. Erst als keine Autos und Busse mit Burschenschaftern, Soldaten und Veteranen mehr hochfuhren, verließen die AntifaschistInnen den Ulrichsberg - mit dem Versprechen, nächstes Jahr wiederzukommen.
MayDay Graz, Graz, Sept.2007
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