Für das Recht auf Selbstbestimmung!
Am 2. Februar marschierten etwa 50 radikale AbtreibungsgegnerInnen von "Human Life International" vor einer Arztpraxis in der Grazer Hans-Sachs-Gasse auf. HLI Österreich - das sogar Verhütungsmittel als eine Form der Abtreibung verdammt und mit Psychoterror und anderen Druckmitteln gegen legale Möglichkeiten der Abtreibung vorgeht - hatte zu einer "Gebetsvigil" aufgerufen. Mit Rosenkranz und den obligaten Embryo-Bildern zog die von älteren Männern dominierte Schar durch die Innenstadt. Etwa 25-30 GegendemonstrantInnen begleiteten den Zug, ihre Parolen waren u.a.: "Abtreibung ist Frauenrecht!", "Für das Recht auf Selbstbestimmung!", "Den Frauen ihr Recht - dem HLI kein Fußbreit!" oder "Ob Kinder oder keine, bestimmt frau alleine".
Als sich die Gegendemo symbolisch am Beginn der Hans-Sachs-Gasse mit Schildern "Schutzzone für das Selbstbestimmungsrecht der Frau!" aufstellte, verlor der Einsatzleiter der Polizei die Nerven, riss den Leuten das Transparent aus der Hand und erklärte schreiend die Demonstration für aufgelöst. Noch bevor jemand reagieren konnte, hagelte es die ersten Anzeigen. Originalzitat des Einsatzleiters zu einem Polizisten: "Nehmens soviel Daten auf wie möglich!" Die GegendemonstrantInnen folgten daraufhin weiter dem Pro Life-Marsch, ohne sich um das cholerische Rumpelstilzchen zu kümmern, und versammelten sich beim Eingang zur Arztpraxis mit Sprechchören gegenüber der Rosenkranz-Brigade. Sofort erklärte ein tobender Behördenvertreter erneut die Demonstration für aufgelöst, riss an den Transparenten und drohte willkürlich Festnahmen an.
Kaum jemand ging freiwillig, es kannte sich allerdings auch keine/r mehr wirklich aus, wo jetzt das Halten des Transparents und das Verteilen der Flugblätter noch erlaubt war und wo nicht mehr. Mehrere PassantInnen äußerten ihre Sympathie für die Gegenkundgebung und ihr Unverständnis über das Agieren der Polizei. Schließlich drängten PolizistInnen die Gruppe weg und nahmen von mindestens zehn Leuten die Personalien auf - zwecks Anzeige nach dem Versammlungsgesetz. Von den vier Leuten, die filmten, wurden drei angezeigt, die vierte Person wurde weggewiesen.
MayDay Graz, Graz, 12.02.2008
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