Stellungnahme zu TouristInnen- Folder
Eine teilweise heftige mediale Polemik hat die TouristInneninformation
ausgelöst, die "Mayday 2000" an die UrlauberInnen in Graz verteilt: Wir
seien "Graz-feindlich", betrieben "Agitation gegen die eigene Heimat"
oder
"Hetze gegen die Murmetropole", und das noch dazu "feig, dumm und
anonym"
(Artikel in der "Kronenzeitung" und "Grazer Woche").
Wir stellen dazu
folgendes fest:
Wir weisen in unserer Information nur auf Tatsachen hin: etwa daß
rechtsextreme Vereine sich in Graz recht heimisch fühlen oder daß vor
zwei
Jahren ein junger Somali aufgrund des Drucks der Fremdenpolizei am
"Platz
der Menschenrechte" Selbstmord beging. Weshalb sollten TouristInnen am
Grazer Hauptlatz nur über das Erzherzog-Johann-Denkmal erfahren und
nicht,
daß heute hier eine Polizeikamera Anti-FPÖ-Proteste überwacht?
Es ist schon
bezeichnend, daß der Skandal nicht darin gesehen wird, daß eine
rechtsextreme Zeitung in Graz existiert, sondern daß wir darüber
informieren. Übrigens: "nicht anonym" oder "getarnt", sondern ganz offen
unter unserer Gruppenbezeichnung "Mayday 2000".
Genauso offen - noch haben wir (hoffentlich) keinen Anlaß, uns dafür zu
verstecken! - rufen wir die TouristInnen auf, Österreich künftig als
Urlaubsland zu meiden, solange die ÖVP-FPÖ-Koalition regiert. Unserer
Meinung nach stützt der Tourismus diese Regierung und damit eine
Beteiligung
rechtsextremer Kräfte an der Macht, wir verbinden unseren Boykottaufruf
aber
mit der Bitte, alle widerständigen Regungen in unserem Land zu stärken.
Dem
mag mensch zustimmen oder nicht: Doch die Heftigkeit, mit der sofort
der
unausgesprochene Vorwurf des "Vaterlandsverrats" in der Luft hängt, ist
ein
alarmierendes Zeichen für die jetzigen Verhältnisse in Österreich.
Wenn einmal Boykottaufrufe gegenüber einer Regierung mit "Agitation
gegen
die Heimat" gleichgesetzt und dazu bedenkliche Argumentationsmuster aus
ganz
anderen Zeiten aktiviert werden, dann ist das genau das autoritäre
Denken,
dem unser Widerstand gilt!
MayDay Graz, Graz am 25.08.2000
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