|
"Abführen, höchste Zeit!"
Widerstandsgruppe MayDay beschuldigt Polizei der Brutalität
Graz - "Die haben unsere Leute brutal niedergedrückt, getreten und in Handschellen vom Platz geschleift." Das Personenkomitee MayDayGraz 2000, ein loser Anti-Regierungs-Zusammenschluss von rund zwanzig Schülern und Studenten, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Grazer Polizei. Denn bei einer Wahlveranstaltung der steirischen ÖVP mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) vor einigen Tagen am Grazer Hauptplatz soll es zu einem brutalen Vorgehen gekommen sein.
"Die Leute haben nichts anderes gemacht, als ein Plakat mit der Aufschrift "Wiederstand organisieren" hochzuhalten", heißt es seitens MayDay. Weiters sei einem Mitarbeiter des freien Senders "Radio Helsinki" sein Aufnahmegerät aus der Hand geschlagen worden. "Offensichtlich wollte die Polizei nicht, dass es eine Dokumentation gibt", mutmaßt ein MayDay-Aktivist im STANDARD-Gespräch. "Mit Demokratie und Meinungsfreiheit hat das alles nichts mehr zu tun." Fazit: 13 Verwaltungsanzeigen.
"Das stimmt doch so alles nicht", meint Reinhold Frühauf, Leiter der Sicherheitswache. "Wir wollten ihnen nur die Personalien abknöpfen, da haben sie zu schreien begonnen." Und: "Wenn wir die Gruppe nicht eingekreist hätten, hätten sie sicher vom Publikum die Watschen bekommen." Denn die Stimmung sei extrem aufgeladen gewesen. Töne wie "Abführen, höchste Zeit!", aber ebenso "Das ist ja wie im tiefsten Ostblock" sollen gefallen sein, sagt auch eine Augenzeugin. "Beängstigend war auch, dass der Einsatz zum Teil heftig beklatscht wurde", meint sie. (koe)
Der Standard, 13.10.00
zurück
|