DER AUFWECKER: Stillstand

BEATE PICHLER

Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Vielleicht liegt‘s daran, dass immer mehr Menschen in die Öffentlichkeit gehen, denen der Gürtel vom Herrn Finanzminister (respektive von seinen Kollegen und Kolleginnen) enger geschnallt wird.
Kommenden Dienstag - sinnigerweise am Krampustag - wird also allerorts mit den Ketten gerasselt. Da protestieren die Lehrer und die Uni-Professoren - und da verleiht eine Plattform "Checkpoint Austria" ihrem Unmut Ausdruck.

Und um zu zeigen, dass sie zu ihren Forderungen stehen, wollen die Aktivisten - nach Eigendefinition Menschen, die den Spardruck besonders zu spüren bekommen - gleich auf die Straße gehen. Nein, nicht nur im sprichwörtlichen Sinn: Sie planen, am 5. Dezember in mehreren Städten Österreichs den Verkehr lahm zu legen.

Um ein Signal zu setzen. Das am Gehsteig leicht übersehen werden könnte. Demonstriert, protestiert und blockiert wird deshalb direkt in neuralgischen Kreuzungen.

Da kommt die Botschaft besser an.

Richtig gedacht. Nur: Was nicht mehr ankommt, das ist die Masse all jener, die zwangsweise im Stau steht. Stundenlang, geht es nach den Plänen von "Checkpoint".
Stillstand? Ist aber auch nicht das Wahre, wenn man etwas bewegen will.



Kleine Zeitung, 02.12.00

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