Achtung, Stau! Aktivisten wollen Verkehr lahm legen

"Day of Action": Der Frühverkehr in den Städten wird als Protest gegen Sparpaket lahm gelegt.

VON BEATE PICHLER

Geduld und Nerven - das werden heute die Autofahrer in den den großen Landeshauptstädten, vor allem aber in Wien und Graz, mitbringen müssen. Denn aus Protest gegen das Sparpaket der Regierung will die Plattform "Checkpoint Austria" am heutigen Krampustag den Frühverkehr in den Metropolen lahm legen. In Wien gleich dutzendweise (siehe Kasten rechts), aber auch in Graz warten Überraschungen. Zwei Kreuzungsblockaden (von "Checkpoint Austria" und dem VSSTÖ angemeldet) sind in Graz offiziell genehmigt, darüber hinaus dürften die Aktivisten aber versuchen, auch illegal Straßen zu blockieren.
Ursprünglich hatten die Organisatoren acht Blockaden angemeldet - an neuralgischen Kreuzungen. Mit dem Argument, dass die Demonstranten nicht 50.000 Pendler in Geiselhaft nehmen können, sagte die Behörde dann allerdings sieben Aktionen ab und genehmigte erst nur eine: die Blockade der Kreuzung Rösselmühlgasse - Josef-Huber-Gasse.

Dazu kam eine zweite am Radetzkyspitz, angemeldet vom VSSTÖ (Verband sozialistischer Studenten). Argument: Hier gebe es nämlich durchaus Umleitungsmöglichkeiten.

Obwohl - problematisch sind die Aktionen trotzdem. Nicht nur für den Individualverkehr: Auch alle Busse, die den Jakominiplatz anfahren, müssen großräumig ausweichen (siehe Kasten).

Noch viel haariger wird‘s aber, wenn sich die Aktivisten nicht auf diese beiden Standorte beschränken. Und alles deutet darauf hin: Ab 6 Uhr treffen die Leute zu einer - angemeldeten und genehmigten - Versammlung am Europaplatz vor dem Grazer Hauptbahnhof zusammen. Dieser Platz "dient allerdings nur als . . . Treffpunkt. Vom Europaplatz aus werden Straßenblockaden stattfinden, denn wir lassen uns durch die Untersagungen unseren Protest nicht auf Gehwege und Plätze verbannen."

Unterstützung könnte dabei auch aus anderen Teilen der Steiermark kommen. In den vergangenen Tagen wurden Flugblätter verteilt - nicht nur in Grazer Schulen und Lokalen, sondern auch in Weiz, Leoben und Mürzzuschlag. "Kommt mit Fahrrädern, Autos, Radios, Kinderwagen, Einkaufswagen, Mülltonnen . . .", heißt es auf der Einladung zum "Day of Action".

Die Polizei jedenfalls versucht sich so gut wie möglich zu rüsten. 150 Mann stehen in Bereitschaft, einige Kreuzungen werden vorsorglich von ihr besetzt - bevor‘s die anderen tun. Und wenn tatsächlich illegal blockiert wird? Für Oberst Reinhold Frühauf (Zentralinspektorat) wäre eine gewaltsame Räumung das "letzte Mittel". Aber "unser Handeln wird letztlich von den Demonstranten bestimmt".



Kleine Zeitung, 02.12.00

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