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...und wirklich viele standen nicht still...
Als Aktionen gegen das Budget der Grausamkeit bezeichneten die Aktivisten der Plattform Checkpoint Austria die Verkehrsblockaden, die in der Früh des Krampustages an über 30 mehr oder weniger wichtigen Verkehrsknotenpunkten Österreichs abgehalten wurden. Für Graz hatte die Ortsgruppe, die sich aus Personen aus dem Umfeld von Gruppierungen wie der Studentenvertretung der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, dem Verband Sozialistischer StudentInnen oder der Aktionsgruppe Mayday 2000, sowie verschiedenen Einzelpersonen rekrutierte, um Genehmigungen für acht Checkpoints angesucht. Bis auf zwei (die Kreuzungen Rösselmühlg.-Elisabethinerg. bzw. Joaneumring-Neutorg.-Wielandg.) wurden alle von den Behörden untersagt.
Nichtsdestotrotz versammeln sich um sechs Uhr früh an die hundert Demonstranten auf dem Europaplatz um ihren Unmut über das Budget 2001 kundzutun. Nach kurzen Redebeiträgen bewegt sich die Ansammlung um ca. sechs Uhr dreißig in Richtung Bahnhofskreuzung. Die Polizei, die von StaPo bis MEk in allen Variationen vor Ort anzutreffen ist, lässt dem Zug zwar kaum Handlungsspielraum, doch gelingt es für kurze Zeit trotzdem den untersagten Checkpoint Bahnhofgürtel-Annenstraße zu besetzen. Nach wenigen Minuten werden die Demonstranten jedoch von ca. sechzig Exekutivbeamten in die Annenstraße bzw. auf den Gehsteig zurückgedrängt. Wenig später bleibt plötzlich ein blauer Klein-LKW auf der Kreuzung stehen und die auf dem selbigen montierte 2400 Watt-Soundanlage wird in Betrieb genommen. Die Polizei fordert den Fahrer auf das Fahrzeug sofort zu entfernen, doch siehe da, der Schlüssel läßt sich nicht mehr finden. Der Wagen muss von den Beamten von der Kreuzung geschoben werden. Danach die ersten Rangeleien zwischen Zivilbeamten und einigen Jugendlichen, die die Musikanlage wieder in Betrieb nehmen wollen. Es hagelt Anzeigen. Nach zehn Monaten österreichischer Widerstandskultur für einige nichts neues mehr. Nach längerer Diskussion wird das Demomobil, dessen Schlüssel inzwischen auf wundersame Weise wieder aufgetaucht ist, wieder freigegeben und langsam aber doch stockt der Zug dann Richtung Rösselmühlgasse, doch die Ordnungshüter sind so sehr auf die Sicherheit der Demoteilnehmer bedacht, dass eine Kette von Beamten, begleitet von 15 Einsatzwägen, den Mob keinen Schritt vom Gehsteig lässt und penibel darauf achtet, dass keiner der Teilnehmer bei rot eine Straße überquert.
Acht Uhr, Checkpoint A, der eigentlich seit sieben Uhrangemeldet ist, ist erreicht, doch ist weit und breit kein Passant, geschweige denn ein Auto zu sehen. Hip Hop, Punk und Techno donnern durch die menschenleeren Gassen. Kurz vor halb neun geht`s weiter Richtung Griesplatz. Fünfzehn Jugendliche setzen ich vom Zug ab und blockieren durch eine Sitzkette die Fahrbahn in Nordrichtung. Ein kleiner Stau entwickelt sich. Sirenen, Blaulicht... drei Mannschaftsbusse des Mobilen Einsatzkommandos rollen an und die Polizisten springen mit gezückten Schlagstöcken aus den Fahrzeugen. Rasch erheben sich die Straßenbesetzer um einer gewalttätigen Auseinandersetzung zu entgehen.
Die letzten paar hundert Meter zum Radetzkyspitz verlaufen dann eher ereignislos. Am Checkpoint B werden dann noch einmal die 2400 Watt ausgekostet und halb Graz hat die Möglichkeit Rancid`s "Hooligans" mitzugrölen. Die Aktivisten suchen sichtlich den Kontakt zu den Grazern. Bis ziemlich genau neun Uhr werden Flugblätter und Schokokrampusse verteilt. Der LKW setzt sich ein letztes Mal in Bewegung um die wenigen bis vors Landhaus mitgezogenen um die Flugiverteiler musikalisch zu unterstützen. Die Welt bzw. die Nation verändert hat man mit dieser Aktion zwar sicher nicht, aber wie singen Such A Surge noch mal: "...es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein ... doch wenn dir stundenlang Wasser auf die Stirn tropft wirst du sehn es kann die Hölle sein..."
Oliver Auer
Homepage von Radio MPV, 06.12.00
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